Geist der Liebe

Impuls von Bischof em. Franz Kamphaus

Haben wir Gott nötig? Die Frage ist nicht aus der Luft gegriffen. Mancher denkt: „Eigentlich nicht nötig … Die Sonne scheint auch ohne Gott, das Bier schmeckt auch ohne Gott, und der Rubel rollt auch ohne Gott. Ich brauche Gott nicht.”

In der Tat, Gott ist nicht nötig wie Geld und Bier. Wer Gott für sein Fortkommen gebrauchen will, geht leer aus. Meister Eckhart sagt: „Manche Menschen wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen. Sie wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten’s alle jene Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder des inneren Trostes willen lieben. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz.” Gott läßt sich von uns nicht gebrauchen wie Käse und Milch. Er möchte uns auf jener anderen Ebene begegnen, die uns sagen läßt: ,Ohne dich will ich nicht leben; nicht weil ich etwas von dir haben muß, sondern weil du du bist.‘

Ahnen Sie, was Pfingsten ist? Heiliger Geist? Geist ist Gabe. Der Heilige Geist ist nicht ein Ding, das ich gebrauchen kann wie Käse und Milch. Ich kann ihn auch auf frommem Wege nicht machen. Es gibt keine kirchlichen Fabriken, die ihn produzieren. Wir sind weder Macher noch Verbraucher des Geistes. Aber wir dürfen ihn empfangen: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist” (5).

Eigentlich nicht nötig? Gottes Geist ist so nötig, wie die Liebe nötig ist. „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.”

Aus: Franz Kamphaus, Zwischen Tag und Nacht. Österliche Inspirationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1998.