Pfingsten – was feiern wir da eigentlich?

Gut verteilt über das Jahr gibt es viele schöne Feste
Und die meisten denken Weihnachten wär‘ das Beste
Und auch Ostern ist im Allgemeinen sehr beliebt
Doch ich weiß, das es da etwas besseres gibt

Nur ich weiß nicht so recht, wann genau das ist
Und ich weiß eigentlich nicht, was der Grund dafür ist
Nur irgendwas hat’s mit dem heiligen Geist zu tun
Die Details haben wir vergessen, doch wir sagen euch nun:

Es geht um Pfingsten, unser Lieblingsfest
Denn im restlichen Jahr sind wir genug gestresst
Doch jetzt ist Pfingsten, und die Bäume blühen
Und zu Pfingsten muss man sich um nichts bemühen.
(…)
Pfingsten von Christoph & Lollo, aus dem Album „Mehr Schispringerlieder!“, Youtube-Video, Text

Ein weltliches Lied der Wiener Liedermacher Christoph Drexler und Lollo (Lorenz) Pichler über Pfingsten, das humorvoll und treffend widergibt, wodurch sich Pfingsten in unserer Wahrnehmung so auszeichnet: Wir haben frei, der Frühling kommt, es gibt keinen Streß mit Geschenken und Familienbesuchen. Pfingsten – das sind meist auch Pfingstferien oder zumindest ein verlängertes Wochenende, weil der Pfingstmontag ebenfalls ein Feiertag ist und darum ist das Fest durchaus beliebt.

Dennoch: Pfingsten steht nicht so im Mittelpunkt, wie Weihnachten und Ostern, dabei ist es eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr. Keine Geschenke, kein Baum, keine Eier, dafür geht es irgendwie um den Heiligen Geist. Worum es beim Pfingstfest eigentlich geht, ist kaum im Bewusstsein. Geburtstage sind ja immer ein Anlass, zu feiern und so kann man sich auch das Pfingstfest als Geburtstagsfest vorstellen – nicht das von Jesus Christus – sondern das der Kirche selbst.

Die erste christliche Gemeinschaft entstand

50 Tage nach dem Pessachfest (Sieben Wochen plus einen Tag) trafen sich die Anhänger Jesu zum jüdischen Erntedankfest, dem Schawuot. Das Wort „Pentecoste“, von dem sich unser Wort „Pfingsten“ herleitet, bedeutet „fünfzigster Tag“.

Was geschah an diesem Tag? Der Tag war ein Festtag in der Jerusalem. Viele Menschen aus unterschiedlichen Regionen waren dort. Auch die Jünger hatten sich nach Jerusalem begeben. Allerdings hatten sie Angst, auch Sie könnten, wie 50 Tage zuvor, Jesus, gefangen genommen und getötet werden.

Sie saßen in einem Haus zusammen und beteten, als etwas ganz Ungewöhnliches geschah. In der Einheitsübersetzung wird dies in der Apostelgeschichte wie folgt beschrieben:

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ – Apg 2,1-4

Buchmalerei aus der 'Devotionale Abbatis Ulrici Rösch': das Pfingstereignis, um 1472 (?), Stiftsbibliothek in St. Gallen
Buchmalerei aus der ‚Devotionale Abbatis Ulrici Rösch‘: das Pfingstereignis, um 1472 (?), Stiftsbibliothek in St. Gallen

Und dieses Ereignis wird als Pfingstwunder bezeichnet: die Jünger konnten in verschiedenen Sprachen sprechen, so dass alle sie verstanden, egal ob sie Griechen, Rümer, Araber oder Ägypter waren. Was Petrus über Jesus und seine Lehren erzählte, begeisterte viele Menschen. 3000 Frauen und Männer ließen sich an diesem Tag taufen. So entstand die erste christliche Gemeinschaft und darum sprechen wir auch vom Geburtstag der Kirche.

 

 

 

 

 

Weitere Überblicksartikel zum Thema Pfingsten


Heiligenlexikon.dehttps://www.heiligenlexikon.de/Kalender/Pfingsten.html


Katholisch.dehttp://www.katholisch.de/glaube/unser-kirchenjahr/ein-frischer-geist-weht

 

Kommentare der Kirchenväter

Was haben die Kirchenväter zu den Evangelien geschrieben? Eine Zusammenstellung von Kommentaren hat bereits Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert vorgenommen.
Dieses Werk erhielt den Titel „Goldene Kette” (Catena aurea). Mittlerweile ist es auch im Internet verfügbar: www.catena-aurea.de.

Evangelium am Vorabend vor Pfingsten: Joh 7,37-39

37 Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke,

  • Er sagt aber: Wenn einer Durst hat, gleich als ob er sagte: Ich ziehe niemanden mit Zwang und Gewalt an mich; sondern wenn einer eine große Sehnsucht hat – diesen rufe ich. (Chrysostomus)
  • Wenn wir also Durst haben, sollen wir kommen, nicht mit den Füßen, sondern mit unserem Verlangen; nicht indem wir gehen, sondern indem wir lieben. (Augustinus)

38 wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.

  • Er sagt aber: Ströme und nicht: Strom, um dadurch geheimnisvoll die überfließende Fülle der Gnade anzudeuten. Er sagt lebendiges Wasser, d.h. solches, das sich immer bewegt. Wenn nämlich die Gnade des Heiligen Geistes in einen Geist eingetreten ist und gefestigt wurde, so strömt sie mehr als jede andere Quelle; sie wird nicht geringer noch versiegt sie noch steht sie still. (Chrysostomus)
  • Als er nämlich sagte: Wer an mich glaubt, komme und trinke, und Ströme lebendigen Wassers werden aus seinem Innern fließen, versprach er das ewige Leben, wo wir nichts zu fürchten haben und nicht sterben werden. (Augustinus)

39 Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

  • Es war also der Geist Gottes; aber er war noch nicht in denen, die an Jesus geglaubt hatten. Er wollte ihnen nämlich diesen Geist erst nach seiner Auferstehung geben. (Augustinus)
  • Aber wie kann es von Johannes dem Täufer heißen: Im Schoß seiner Mutter wird er vom Heiligen Geist erfüllt werden? Und wie konnte Zacharias vom Heiligen Geist erfüllt sein, so dass er solches über ihn sagen konnte? Und wie konnte Maria, vom Heiligen Geist erfüllt, solche Dinge über den Herrn voraussagen? Und wie konnten Simeon und Hanna, vom Heiligen Geist erfüllt, die Größe Christi erkennen, als er ein kleines Kind war? Wie also ist es zu verstehen, [dass der Geist noch nicht gegeben war]? Wie, wenn nicht so, dass diese bestimmte Gabe des Heiligen Geistes nach der Verherrlichung Christi so geartet war wie keine andere vorher? Denn in dieser Herabkunft [des Heiligen Geistes] sollte es besondere Dinge geben, die es vorher nie gab. Wir lesen nämlich nirgends, dass Menschen, in die der Heilige Geist gekommen ist, in Sprachen redeten, die sie nicht kannten, wie es damals geschehen ist, auch wenn es normal ist, dass die Ankunft des Geistes in äußerlich wahrnehmbaren Zeichen offenbar wird. (Augustinus)
  • Oder anders: Er nennt das Kreuz „Verherrlichung Christi“: Denn weil wir seine Feinde waren, ein Geschenk aber nicht Feinden, sondern den Freunden gegeben wird, deshalb musste zuerst das Opfer dargebracht werden und die Feindschaft in seinem Fleisch überwunden werden, und dann konnten wir – nun zu Freunden Gottes gemacht – die Gabe empfangen. (Chrysostomus)

Evangelium an Pfingsten: Joh 20,19-23

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

  • Auf die Verkündigung der Auferstehung durch Maria von Magdala konnten die Jünger in zwei Weisen reagieren: Entweder sie trauten der Botschaft nicht, oder sie nahmen sie glaubend an, waren aber traurig, daß der Herr sie selbst nicht für wert gehalten habe, sich ihnen zu zeigen. Doch er überließ sie nicht einen einzigen Tag lang diesen trübseligen Gedanken; sondern als es Abend geworden war, trat er zu ihnen, die bereits von seiner Auferstehung wußten und danach dürsteten, ihn zu sehen, und voll Furcht waren. (Chrysostomus)
  • Er kam bei verschlossenen Türen, damit deutlich werde, daß er auf die gleiche Weise auferstanden war, während der Stein das Grab verschloß. (Theophylactus)
  • Manche werden durch dieses Ereignis so aus der Fassung gebracht, daß sie nahezu vom rechten Weg abkommen, indem sie ihre eigenen Vernunftargumente, die aber aus Voreingenommenheit stammen, gegen die Wundertaten Gottes ins Feld führen. Sie argumentieren nämlich: Wenn es sich um einen Körper handelte, und wenn es derselbe Leib war, der am Kreuz gehangen hatte, wie konnte er durch verschlossene Türen eintreten? Wenn du die Art und MaßLat.: modus begreifst, dann ist es kein Wunder. Wo der Verstand versagt, da findet der Glaube seine Auferbauung. Du willst von mir wissen: Wenn er durch die verschlossene Tür eintrat, wo ist die AusdehnungLat. modus des Leibes? Ich antworte: Als er über dem See wandelte, wo war das Gewicht des Leibes? Das wirkte der Herr als Herr. Hat er etwa nach der Auferstehung aufgehört, der Herr zu sein? (Augustinus, Osterpredigt)
  • Der Materie des Leibes, in dem die Gottheit war, konnten die verschlossenen Türen keinen Widerstand leisten. Ohne sie zu öffnen, konnte er eintreten, blieb doch auch bei seiner Geburt die Jungfräulichkeit seiner Mutter unversehrt. (Augustinus, In Io., tr. 121)
  • Es ist doch auf den ersten Blick verwunderlich, daß sie ihn nicht für eine Einbildung hielten. Doch war ja schon vorher die Frau gekommen und hatte in ihnen durch ihre Botschaft schon ziemlich viel Glauben bewirkt. Und auch er selbst zeigte sich ihnen handgreiflich und festigte ihren schwankenden Geist mit seinem Wort: Friede mit euch. […] Damit ruft er ihnen in Erinnerung, was er bereits vor der Kreuzigung gesprochen hatte: Meinen Frieden gebe ich euch (Joh 14, 27) und Ihr werdet in mir Frieden haben (Joh 16, 33). (Chrysostomus)

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen.

  • Weil aber ihr Glaube noch schwankte beim Anblick seines Leibes, den sie sehen konnten, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Nägel hatten seine Hände durchbohrt, die Lanze seine Seite geöffnet: Hier blieben die Spuren der Wunden erhalten, um die Herzen der Zweifelnden zu heilen. (Gregor der Große)
  • Als der Herr von den Seinen so wahrgenommen werden sollte, daß er auch nicht erkannt werden konnte, da war die Herrlichkeit, in der die Gerechten leuchten werden wie die Sonne (Mt 13,43) im Reiche ihres Vaters, vor den Augen der Jünger am Leibe des Auferstandenen eher verborgen, als daß sie gefehlt hätte – denn der schwache Blick eines Menschen könnte sie nicht ertragen. (Augustinus)
  • Zugleich zeigt er mit diesem Friedensgruß die Kraft des Kreuzes: alle Traurigkeit löst er dadurch, alle Güter schenkt er dadurch. Und eben das ist „Friede“. (Chrysostomus)

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

  • Wenn ich euch nun mitten in das Ärgernis der Verfolgung sende, liebe ich euch mit der gleichen Liebe, wie der Vater mich liebt, den er in die Welt kommen ließ, um Leiden zu erdulden. (Gregor der Große)

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

  • Dieser körperliche Hauch war nicht der Heilige Geist selbst, sondern ein passendes Zeichen, das zeigen sollte, daß der Heilige Geist nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn ausgeht. (Augustinus)
  • Was ist der Grund dafür, daß der Hl. Geist den Jüngern zuerst auf Erden gegeben, dann vom Himmel gesandt wurde? Doch wohl, weil es zwei Gebote der Liebe gibt, der Gottes- und der Nächstenliebe. Auf Erden wird der Geist gegeben, damit der Nächste geliebt werde, vom Himmel wird er gegeben, damit Gott geliebt werde. Wie die Liebe nur eine einzige ist, doch das Gebot ein doppeltes, so ist der Heilige Geist nur einer, doch gibt er die zwei Tugenden. (Gregor der Große)
  • Manche Leute sage, daß der Herr hier nicht den Hl. Geist gab, sondern die Jünger durch den Hauch vorbereitete und befähigte, den Hl. Geist zu empfangen. Denn wenn schon Daniel beim Anblick eines Engels außer sich geriet und eine Entrückung erlitt, was wäre mit den Jüngern geschehen, wenn ohne Vorbereitung jene unaussprechliche Gnade über sie gekommen wäre? Auch geht derjenige nicht fehl, der sagt, daß die Jünger die geistliche Vollmacht damals nicht zu Wundertaten und Totenerweckungen erhielten, sondern zur Vergebung der Sünden. Darum folgt: Welchen ihr die Sünden nachlaßt … (Chrysostomus)

23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

  • Man soll wissen, daß diejenigen, welche zuerst den Hl. Geist besaßen, um selbst ohne Schuld zu leben und durch ihre Verkündigung manchen zu nützen, nun nach der Auferstehung des Herrn den Hl. Geist offenkundig empfingen, damit sie nicht nur einigen wenigen, sondern vielen nützen könnten. Ich bitte euch, betrachtet einmal, daß die Jünger zu ebensolchen Lasten der Demut berufen wurden, wie sie zu einem Gipfel an Herrlichkeit geführt wurden. Sie sollten nicht nur in Hinsicht auf sich selbst sicher sein, sondern die Vorrangstellung erhalten, ein im Himmel gültiges Urteil zu sprechen: daß sie an Gottes statt Sünden nachlassen oder behalten könnten. Ihren Platz nehmen jetzt in der Kirche die Bischöfe ein; wer das Leitungsamt übernimmt, empfängt die Vollmacht zu binden und zu lösen. Eine überragende Ehre, aber sie ist auch eine schwere Last. Hart ist es, wenn jemand, der es nicht versteht, das eigene Leben recht zu ordnen, Richter sein soll über das eines anderen. (Gregor der Große)
  • Wenn ein Priester bzw. Bischof sein eigenes Leben recht führt, um das der anderen aber nicht gewissenhaft Sorge trägt, wird er mit den Übeltätern in die Hölle kommen. Da ihr nun wißt, wie groß die Gefahr ist, erweist den Bischöfen liebevolle Ehrerbietung, auch wenn sie nicht besonders hervorragende PersönlichkeitenLat.: non valde nobiles sind. Denn es entspricht nicht der Gerechtigkeit, daß sie von den Untergebenen gerichtet werden. Selbst wenn ihr Leben verachtenswert wäre, so soll man dennoch nicht Anstoß nehmen an dem, was ihnen von Gott anvertraut wurde. Kein Priester, kein Engel, kein Erzengel vermag an den Gaben Gottes etwas zu bewerkstelligen, sondern der Vater, der Sohn und der Heilige Geist spenden alles. Der Priester stellt seine Zunge und seine Hand zur Verfügung. Es ist also nicht recht, daß diejenigen, die zum Glauben kommen, an den Glaubensgeheimnissen unseres Heiles Anstoß nehmen wegen der Schlechtigkeit einer anderen Person. (Chrysostomus)

Gebetsbilder zum Pfingstfest

Jedes Jahr gibt Renovabis ein Gebetsbild zum Pfingstfest heraus. Die Motive der letzten 12 Jahre können Sie unten ansehen – klicken Sie einfach auf ein Vorschaubild. Auf der Rückseite der Gebetsbilder findet sich jährlich ein anderes Gebet zum Pfingstfest. Wenn Sie in Ihrer Gemeinde oder Ihrer Gruppe eines dieser Gebetsbilder nutzen möchten, dann fragen Sie uns an – wir haben möglicherweise noch einen kleinen Vorrat.

Kontakt

Sabine Gampfer,
Tel.: 08161-530949,
ga@renovabis.de

Gebet für die Pfingstnovene

(nach der Weisung von Papst Leo XIII. 1897)

O Gott der Glorie, Herr der Heerscharen,
als Sieger bist du über alle Himmel emporgestiegen,
lass uns nicht als Waisen zurück,
sondern sende auf uns herab
den lebendig machenden Geist.

Sende uns den Geist der Wahrheit,
damit wir dich und den Vater
mehr und mehr erkennen.

Sende uns den Geist der Frömmigkeit,
damit wir den Vater im Geist
und in der Wahrheit anbeten.

Sende uns den Geist der Stärke,
damit wir gegen das Böse in uns und um uns
tapfer zu kämpfen.

Sende uns den Geist des Mutes,
mit dem du die Apostel ausgerüstet hast,
vor Statthalter und Könige zu treten
und dich zu bekennen.

Sende uns den Geist der Geduld,
damit wir uns in allen Prüfungen
als deine getreuen Knechte bewähren.

Sende uns den Geist deiner Liebe,
damit wir, von seiner Glut berührt,
das neue Gebot der Bruderliebe erfüllen.

Sende uns den Geist der Freude,
damit wir uns glücklich preisen,
dass wir Kinder unseres Vaters im Himmel sind.

Sende uns den Heiligen Geist, den Tröster,
damit wir in der Bosheit
und Gottlosigkeit der Welt nicht verzagen,
sondern uns deiner Nähe erfreuen.

Aus: Gebete für das ganze Leben, St. Benno Verlag 2004, 122f.

Du kannst dir kein Bild davon machen …

Impuls von Bischof em. Franz Kamphaus

‚Das ist nicht zu fassen‘, sagen wir. Es gibt Erfahrungen, die nicht in Worte zu fassen sind, gute und böse Erfahrungen, Sternstunden und Hiobsbotschaften: Nicht zu fassen.

Vielleicht denken Sie heute am Pfingsttag eher an Situationen, da Ihnen das Herz aufging – unfassbar, unbeschreiblich: ein strahlender Sonnenaufgang, eine hinreißende Musik, eine umwerfende Begegnung. Wir sind ‚ganz weg‘, geraten außer uns, tanzen und singen. Das Gespür für die Wirklichkeit weitet sich über die Grenzen des Vorfindlichen hinaus. Neue Horizonte tun sich auf. Wir ahnen: Es gibt noch ganz andere Lebensmöglichkeiten als die, die in unseren Kräften stehen, Größeres, Unbedingtes, die Möglichkeiten Gottes mit uns!

Sich halten an den Unfassbaren

Das ist Pfingsten. Menschen geraten außer sich. So steht’s da wörtlich: »Alle gerieten außer sich …« (Apg 2,12). Sie sind erfüllt von Gottes Geist. Der sprengt jeden Rahmen, der ist nicht zu fassen, er weht, wo er will (vgl. Joh 3,8). ‚Du kannst dir kein Bild davon machen‘, sagen wir. So ist das mit dem Heiligen Geist. Gerade so bringt er zum Ausdruck, was uns das zweite Gebot des Dekalogs einschärft: »Du sollst dir kein Bild machen von Gott …« (Ex 20,4). Gott ist nicht ein Produkt unserer Vorstellungen und Bedürfnisse, nicht in Bildern fassbar. Das goldene Kalb muss zermalmt werden. Ein selbstgemachter Gott ist kein Gott, sondern ein Hampelmann.

Pfingsten (Ausschnitt) von Salomon de Bray (1597-1664)
Pfingsten (Ausschnitt) von Salomon de Bray (1597-1664)

Und doch – wir Menschen sind sinnliche Wesen. Wir sind auf Bilder angewiesen, um zu Einsichten zu kommen. Wir greifen zu Symbolen, um den Heiligen Geist und sein Wirken darzustellen: Wasser, Feuerzungen, Sturm, Atem. Aber damit haben wir ihn nicht im Griff. Wir haben ihn nicht in der Hand, als wäre er ein Prachtexemplar des kirchlichen Inventars, über das wir verfügen und das wir nach Bedarf unters Volk bringen.

Welch ungeheure Spannung: Einerseits denken wir in Bildern, andererseits müssen wir die Bilder ständig hinter uns lassen, sonst verwechseln wir sie schließlich mit der Sache selbst und meinen, wir hätten den Heiligen Geist darin eingefangen. Das ist ein ständiger Lernprozess, Bildung wortwörtlich. Die Wirklichkeit gerade des Geistes ist unfassbar. Wir halten uns an den Unfassbaren, sagt Hans Urs von Balthasar.

Das Bild des unsichtbaren Gottes

‚Im Menschen ist göttlicher Atem, er belebt ihn (vgl. Gen 2,7); der Mensch ist Gottes Ebenbild. Darum ist er in das Bilderverbot einbezogen. Das hat der schweizerische Schriftsteller Max Frisch immer wieder unterstrichen: »>Du sollst dir kein Bildnis machen>, heißt es, von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten: Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen – ausgenommen, wenn wir lieben« (Tagebuch).

Der, durch den uns das aufgegangen, ist Jesus Christus. Er hat in Gleichnissen von Gott gesprochen, er ist zum Gleichnis Gottes und des Menschen geworden. »Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes« (Kol 1,15). Und doch hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass wir ihn nicht in der Hand haben, schon gar nicht im Griff. Er entzieht sich unserem Zugriff. Wir können ihn nicht festhalten (vgl. Joh 20,17). »Es ist gut für euch, dass ich fortgehe …« (Joh 16,7), sagt er. Er ist das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes. Beides gilt: sichtbar und unsichtbar – wie in der Emmausgeschichte, wie jetzt in der Eucharistie.

Bilderverbot, das den Menschen betrifft

Der Mensch – Gottes Ebenbild. Wir sind ständig in Gefahr, uns ein Bild zu machen vom anderen, ihn in unsere Vorurteile zu pressen. Damit machen wir ihn schließlich fix und fertig. Besonders hart trifft das in der Regel die sogenannten Ausländer: die Polen, dieRumänen, die Türken, die Muslime. Wir versündigen uns an ihnen und an Gott, dessen Ebenbild sie sind. ‚Mensch, du kannst dir kein Bild davon machen‘, du darfst dir kein Bild davon machen. Wenn wir die Menschen auf ein Bild reduzieren, dann verstoßen wir gegen Gottes Gebot.

Wir leben in einer visuellen Kultur. Die Macht der Bilder fesselt uns über viele Kanäle. Wir lassen uns gefangennehmen von bestimmten Vorstellungen, Kategorien, Schemata und übertragen sie dann auf die Menschen neben uns.

Ist das nicht bezeichnend: Das erste Bild, das wir heute in der Regel von einem Menschen haben, kommt vom Ultraschall: Der Blick des Arztes auf den Embryo bei der vorgeburtlichen Untersuchung. Nicht die Mutter blickt zuerst auf das Kind und der Vater, sie tun es dann mit den Augen des Arztes, der nach Fehlern sucht, nach Schwächen oder gar nach den Schwachen. Ist das der Blick der Liebe?

Wie sehen wir uns selbst? Mit wessen Augen schaut sich an, wer im Spiegel nur noch Fettpolster hier und Tränensäcke dort sieht, den eigenen Körper sozusagen als einen einzigen Schönheitsfehler? Welchem Vorbild eifert nach, wer sich für Fitness, Wellness und Beautiness mit einer Ausdauer und Leidenschaft quält, die mittelalterliche Folterknechte in Erstaunen versetzt hätte? Die Weigerung des Menschen, sich als Ebenbild Gottes anzunehmen, schürt eine zermürbende und zerstörerische Unzufriedenheit mit sich selbst. Sie liefert den Menschen schutzlos dem Perfektionszwang der selbstfabrizierten Idealbilder aus.

Aus diesem Bann kann ihn nur die Liebe befreien. Sie lässt sich nicht von vorgefertigten Bildern fesseln. Wer wirklich liebt, der hört auf, sich ein Bild vom Geliebten zu machen, dem dieser genügen muss, um liebenswert zu sein. Er sagt: ‚Ich sage ja zu dir, so wie du bist. Ich liebe dich einfach.‘

‚Du kannst dir kein Bild davon machen‘. »Du sollst dir kein Bildnis machen von Gott, deinem Herrn, und nicht von den Menschen, die seine Geschöpfe sind« (M. Frisch).

Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2006.

Fertig gestaltete Pfingstfahnen – Beispiele

Beispiele gestalteter Pfingstfahnen

Wir freuen uns über Fotos der fertigen Fahnen und es ist schön zu lesen, dass das Ergebnis gut ankommt, wie  hier in der Nachricht der Pfarrgemeinde St. Gallus Oberharmersbach, SE Zell am Harmersbach (die Fahne ist auf Bild oben links zu sehen):

Wir haben nach Ihrer Anleitung mit unseren zukünftigen Erstklässlern ( d.h. mit den Schulfüchsen des Kindergartens ) und den dazu gehörenden Mamas, diese Pfingstfahne gestaltet. Wir hatten dabei viel Freude. Die Fahne wurde pünktlich zum Pfingstfest fertig und wir bekamen viele positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Mehr Infos zur Pfingstfahne

Die Pfingstfahne – ein Beispiel aus Bulgarien

Detail der Pfingstfahne aus BulgarienWas ist die Pfingstfahne?

Mit kreativen Methoden sich auf Pfingsten vorbereiten? Das geht mit dem Fahnenrohling von Renovabis. Diese große Fahne ist weiß bis auf den Schriftzug Pfingsten im oberen Bereich und ein Renovabis-Logo unten am Rand. Das ist viel Platz zur eigenen Gestaltung.

Gemeinsam mit anderen können Sie sich ein pfingstliches Motiv erarbeiten: Taube, Feuerszungen, … was gibt es noch? Mit günstigen Acrylfarben können Sie die Fahne dann bemalen. Es ist aber auch möglich, Stoffstücke auf die Fahne aufzunähen und vielleicht fallen Ihnen noch weitere Möglichkeiten ein.

Hängen Sie die Fahne an einen Fahnenmast vor der Kirche oder ihrem Gemeindehaus / Pfarrheim und zeigen Sie, was Ihre Gemeinde feiert!

Pfingstfahne der Eucharistinerinnen in Sofia, Bulgarien

Eine unserer Fahnen hat den Weg bis  nach Sofia in Bulgarien gemacht. Die dortigen Eucharistinerinnen-Schwestern (griechisch-kaatholisch) haben eine Frauengruppe aus der Gemeinde gebeten, diese Fahne zu gestalten. Sr. M. Josefa Kletscherova schickte uns Fotos der Entstehung der Fahne und der fertigen Fahne am Klostergebäude.

Hierbei sende ich einige Fotos von der schönen Fahne, die für uns und unsere Besucher eine große Freude ist. Unsere Idee mit der Fahne ist zu zeigen, dass die Kirche, vom Heiligen Geist mit seinen Gaben beschenkt, in der Mitte der Welt steht und sie trägt. In der Mitte der Kirche ist die Heilige Eucharistie. Die Taube ist wie auf dem Logo des Jahres des geweihten Lebens – auf arabisch bedeutet es Frieden. Es steht ganz oben Pfingsten auf bulgarisch – PETDESIATNITCA (fünfzig Tage), und unten ist die bulgarische Fahne.

 

Erzähl mir was von Pfingsten: Das kleine Sachbuch Religion für Kinder

Esther Hebert, Gesa Rensmann:
Erzähl mir was von Pfingsten: Das kleine Sachbuch Religion für Kinder

Verlag Don Bosco Medien 2013

Buchcover: Esther Hebert, Gesa Rensmann: Erzähl mir was von Pfingsten: Das kleine Sachbuch Religion für Kinder
Buchcover: Esther Hebert, Gesa Rensmann: Erzähl mir was von Pfingsten: Das kleine Sachbuch Religion für Kinder

Ist der Heilige Geist ein Gespenst? Was ist eine Feuerzunge? Wer hat die Kirche erfunden? Alles, was Kinder ab 4 Jahren über Pfingsten wissen wollen. Auf 32 Seiten bietet das Buch kindgerechte Sachtexte und farbenfrohe Entdecker-Bilder rund um die biblischen Geschichten von der Aussendung des Heiligen Geistes. Beschreibungen der kirchlichen Bräuche zum Pfingstfest und kreative Mitmach-Ideen ergänzen das Buch. Mit 12 thematisch abgestimmten Stickern zum Aufkleben! Aus der Reihe „Das kleine Sachbuch Religion für Kinder“.